Roswitha Steinkopf. Schau, mit anderen Augen
Das Künstlermuseum Heikendorf widmet der Kieler Künstlerin zu ihrem 75. Geburtstag eine Ausstellung, in der sie Bilder aus den vergangenen 50 Jahren zeigt. Darin werden ihren auf Leinwand gemalten Bildern Fotografien der Künstlerin gegenübergestellt. Nie wird das fotografisch Festgehaltene in realistischer Absicht nachgestaltend in Malerei übertragen.
Die Eindrücke ihres Lebens in Schleswig-Holstein und an anderen Orten der Welt haben zweifellos – bewusst oder unbewusst – ihr künstlerisches Schaffen beeinflusst. Diese Erinnerungen, ganzheitlich oder in Fragmenten, rein formal oder atmosphärisch, bilden ihren „Erinnerungsgrund, ihr subjektives Bildarchiv“ (Roswitha Steinkopf), das zeitversetzt über viele Jahre hinweg entstanden ist. Fotografie und Gemälde inspirieren sich wechselseitig. Mal ist das Foto zuerst da, mal das gemalte Bild. Das Ergebnis einer Gegenüberstellung mag überraschen, zu Fragen, eigenen Entdeckungen, Überlegungen oder Erinnerungen führen. In jedem Fall aber offenbart es einen Einblick in einen möglichen „anderen“, einen künstlerischen Blick.
Feldbilder
Das älteste Bild der Ausstellung, „Licht“, ist von 1976. Sind die Bilder der ersten Schaffensphase noch streng geometrisch aufgebaut, so weitet sich ihre Bildsprache später durch orthogonal collagenhaft zusammengefügte Bildfelder, deren differenzierte Farbigkeit im strengen Aufbau emotionale Grundtöne geben. In den 90er Jahren ist das konstruktive Tor-Motiv werkbestimmend, dann wird die Symmetrie aufgebrochen. Überschneidungen öffnen Räume, neben präzisen Feldbegrenzungen steht auch mal ein lockerer Pinselstrich, bis hin zum gestischen Duktus. Zeitweise beleben figurative Motive die ansonsten ruhig zusammengefügten Kompositionen. Roswitha Steinkopf nennt diese Bilder „Feldbilder“.
Arabeske
Der Lockdown der Pandemie 2020 bringt einen Rückzug auf die Natur und damit einen neuen Blick, neue Fragen, neue Ausdrucksformen. „Wie die Vielzahl von Blättern und Zweigen bei Bäumen fassen? Wie Wasser, wie Wolken in Bewegung? Wie das an sich unsichtbare Element Wind, das nur in seiner Wirkung, z. B. in Bäumen, in Erscheinung tritt? Vielleicht im Versuch, Formen zusammenzufassen, Bewegungslinien aufzuspüren, ornamentale Metaphern zu finden. Die Arabeske ist eine mögliche Form.“ (Roswitha Steinkopf: Aus dem künstlerischen Tagebuch, 2020)
Künstlerische Vita
Geboren in Kiel.
1970–1977 Studium, Staatsexamen und Meisterschülerprüfung an der Hochschule für Bildende Künste, Berlin.
1976 Projekt-Stipendium des Centre de Coopération Culturelle et Sociale, Paris.
1985–1991 Wohnsitz in Italien.
1997 1. Preis im 5. Europäischen Künstlersymposium in Imperia, Italien.
2000 Auftragsarbeit des Kulturprogramms des Deutschen Pavillons auf der Internationalen Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover.
2001–2016 Internationales, interaktives Projekt „Art is“, umbenannt 2016 in „Yes, I have an answer“.
Dafür Aktionen in Europa sowie ein Reisestipendium des Landes Schleswig-Holstein für New York (6 Monate) und mehrwöchige artist-in-residence-Aufenthalte in Shanghai (China), Kathmandu (Nepal), Gongju (Süd-Korea), Lamu (Kenia), Chiang Mai (Thailand).
2014 und 2018 Aufträge der Deutschen Luft- und Raumfahrtbehörde und Stiftung Kinderherz für zwei Kunstwerke, die den deutschen Astronauten Alexander Gerst für sechs Monate auf der ISS (International Space Station) begleiten.
Seit 1980 Ausstellungen im In- und Ausland.
Arbeiten in privaten und öffentlichen Sammlungen.
Eröffnung: Samstag, 28. Februar, 17 Uhr (Unkostenbeitrag: 1 Euro)
Ausstellungsdauer: 28. Februar bis 24. Mai 2026
Webseite der Künstlerin: https://www.roswitha-steinkopf.de/